Recherchebericht: Mutter Teresa, internationale Adoptionen, Kinderhandel und mögliche Verbindungen zum Epstein-/Maxwell-Netzwerk
Stand: 22. August 2026
1. Anlass und Fragestellung
Ausgangspunkt dieser Recherche war ein viral verbreiteter Text, der Mutter Teresa und den von ihr gegründeten Missionaries of Charity (MoC) vorwirft, über Jahrzehnte eines der größten Kinderhandelsnetzwerke der Geschichte betrieben zu haben.
Der Text enthält unter anderem folgende Behauptungen:
- Drei Millionen Waisenkinder seien durch Einrichtungen der Missionaries of Charity geschleust worden.
- Kinder seien ihren Müttern entzogen und anschließend international vermittelt worden.
- Für einzelne Kinder seien 15.000 bis 50.000 US-Dollar bezahlt worden.
- Die Organisation habe jährlich 50 bis 100 Millionen Dollar umgesetzt.
- Acht Milliarden Dollar seien über die Vatikanbank bewegt worden.
- Mutter Teresa habe Beziehungen zu Robert Maxwell unterhalten.
- Einrichtungen bzw. Strukturen ihres Netzwerks hätten später Verbindungen zum Umfeld Jeffrey Epsteins, Ghislaine Maxwells und Jean-Luc Brunels gehabt.
- Der Vatikan habe davon gewusst.
Die Recherche sollte ausdrücklich nicht nur prüfen, ob sich diese Behauptungen in etablierten Medien wiederfinden. Vielmehr wurde versucht, darunterliegende Gerichtsakten, historische Behördenunterlagen, wissenschaftliche Archivforschung und Finanzunterlagen zu finden.
Dabei ergibt sich ein wesentlich komplexeres Bild.
2. Vorläufiges Gesamtergebnis
Für die spektakulärsten Behauptungen des ursprünglichen Textes – insbesondere
3 Millionen gehandelte Kinder, 8 Milliarden Dollar über die Vatikanbank und eine organisierte Mother-Teresa–Epstein-Kinderhandelskette
konnte bislang kein belastbarer Nachweis gefunden werden.
Gleichzeitig hat die Recherche jedoch einen erheblichen historischen Komplex sichtbar gemacht, der über bloße Gerüchte oder einzelne Unregelmäßigkeiten hinausgeht.
Nachweisbar sind unter anderem:
- Die Missionaries of Charity waren über Jahrzehnte ein bedeutender Akteur internationaler Adoptionen aus Indien.
- Schweizer Archivforschung stellte bei 48 untersuchten erfolgreichen Adoptionen aus Indien fest, dass in sämtlichen Schweizer Akten der unmittelbare Nachweis der Zustimmung der leiblichen Eltern – die sogenannte „deed of surrender“ – fehlte.
- Die Missionaries of Charity bestätigten gegenüber Behörden teilweise lediglich, dass eine solche Erklärung existiere. Schweizer Behörden akzeptierten diese Angaben, ohne das Original einzusehen.
- In einem internen Schweizer Behördenvermerk aus dem Jahr 1983 findet sich im Zusammenhang mit internationalen Adoptionen aus Indien ausdrücklich die Formulierung:
„The child trafficking continues.“
Der Vermerk stammt vom 17. Oktober 1983 aus dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement.
- Ein Fall vor dem Calcutta High Court von 2024 zeigt, dass die Annahme, die fehlenden Zustimmungserklärungen lägen lediglich versiegelt in indischen Gerichtsarchiven, nicht immer zutrifft. Im überprüften ursprünglichen Adoptionsverfahren wurde ausdrücklich festgestellt:
„no Surrender/Relinquishment Deed of the biological mother was ever filed“
– obwohl das damalige Adoptionsverfahren davon ausgegangen war, dass die Mutter das Kind ordnungsgemäß abgegeben habe.
- Ein ehemaliges Mitglied der von Mutter Teresa gegründeten Missionary Brothers of Charity, Michael Geilenfeld, gründete später ein Heim für besonders vulnerable Jungen in Haiti. 2025 wurde er in den USA wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer dieser Jungen zu 210 Jahren Gefängnis verurteilt.
- Mutter Teresa unterhielt tatsächlich eine Fundraising-Beziehung zu Robert Maxwell, dem Vater Ghislaine Maxwells. Maxwell und Mutter Teresa trafen sich 1988 persönlich; anschließend wurden erhebliche Beträge für ihre Arbeit gesammelt.
- Ein langjähriger Finanzberater Robert Maxwells, Malcolm Grumbridge, betreute nach dessen Tod weiterhin finanzielle Angelegenheiten von Kevin, Ian und Ghislaine Maxwell. Grumbridge befand sich außerdem in Jeffrey Epsteins Kontaktbuch.
Damit bestehen reale personelle und institutionelle Berührungspunkte, jedoch bislang kein Nachweis einer gemeinsamen Kinderhandelsorganisation.
3. Die Rolle der Missionaries of Charity bei internationalen Adoptionen
Die Schweizer Forschungsgruppe „Adoptionen 1973–2002 Zürich/Thurgau“ hat umfangreiche historische Behördenakten ausgewertet.
Dabei zeigt sich, dass die Missionaries of Charity keine unbedeutende Randorganisation innerhalb der damaligen internationalen Adoptionsvermittlung waren.
Die Organisation betrieb in Indien zahlreiche Einrichtungen, unter anderem in:
- Kalkutta,
- Bombay,
- New Delhi,
- Amravati.
Diese Einrichtungen waren teilweise von indischen Behörden offiziell als Adoptionsvermittlungsstellen anerkannt.
Die Schweizer Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Missionaries of Charity eine zentrale Rolle bei der Vermittlung indischer Kinder in die Schweiz spielten.
Ein besonders wichtiger Kooperationspartner war:
Terre des Hommes Lausanne.
Dessen Projektmitarbeiter in Indien war Milton McCann von der Terre des Hommes (India) Society.
Damit bestand eine konkrete Vermittlungskette:
Missionaries-of-Charity-Heim in Indien
→ Terre des Hommes India/Milton McCann
→ Terre des Hommes Schweiz
→ Schweizer Adoptiveltern.
Bereits bis 1975 hatte die Schweizer Fremdenpolizei 1.650 Einreisen ausländischer Kinder genehmigt. Davon waren 1.220 über Terre des Hommes vermittelt worden. Diese Zahlen umfassen verschiedene Herkunftsländer und nicht ausschließlich Kinder der Missionaries of Charity.
4. Die Zahl von 2.358 Adoptionen
Eine besonders interessante Primärquelle ist der 153. Bericht der Law Commission of India über Inter-Country Adoption.
In Appendix K werden die von verschiedenen indischen Einrichtungen gemeldeten Auslandsadoptionen aufgeführt.
Für:
„Missionaries of Charity, Calcutta“
werden dort 2.358 Kinder angegeben.
Der Zeitraum lautet:
1960 bis 1991.
Die Tabelle trägt ausdrücklich die Bezeichnung:
„Placement Agency-Wise Data relating to Children Adopted by Foreigners“.
Es handelt sich damit nicht um sämtliche von den Missionaries of Charity betreuten Kinder und auch nicht um sämtliche Adoptionen der Organisation weltweit.
Es sind die gemeldeten Auslandsadoptionen der Calcutta-Einrichtung.
Missionaries of Charity Delhi erscheint separat mit weiteren 41 Kindern.
Die Zahl 2.358 darf daher weder als Gesamtzahl sämtlicher betreuter Kinder noch als Gesamtzahl sämtlicher Missionaries-of-Charity-Adoptionen interpretiert werden.
5. Die Behauptung von „3 Millionen Kindern“
Für die Behauptung, drei Millionen Waisenkinder seien durch Mother-Teresa-Einrichtungen geschleust oder verkauft worden, konnte bislang keine entsprechende Primärquelle gefunden werden.
Die Größenordnung steht zudem in erheblichem Spannungsverhältnis zu den belegten historischen Adoptionszahlen.
Selbst die bedeutende Calcutta-Einrichtung meldete für drei Jahrzehnte 2.358 Auslandsadoptionen.
Daraus folgt nicht, dass die Gesamtzahl aller von der Organisation betreuten Kinder klein gewesen sein muss. Die Einrichtungen kümmerten sich auch um Menschen, die niemals adoptiert wurden.
Aber:
„3 Millionen gehandelte/adoptierte Waisenkinder“ ist nach dem derzeitigen Belegstand nicht haltbar.
6. Das wesentlich größere Problem: die Zustimmung der leiblichen Eltern
Hier wird die Geschichte erheblich problematischer.
Für eine rechtmäßige Adoption musste bei einem nicht tatsächlich elternlosen Kind nachvollziehbar sein, dass die leiblichen Eltern – insbesondere die Mutter – das Kind freiwillig zur Adoption freigegeben hatten.
Dafür existierte die sogenannte:
deed of surrender / deed of relinquishment.
Die Schweizer Forscher überprüften historische Adoptionsakten.
Bei 24 erfolgreichen Adoptionen in Zürich fehlte dieser unmittelbare Zustimmungsnachweis.
Dasselbe galt für weitere 24 Fälle im Kanton Thurgau.
Damit fehlte bei:
48 von 48 untersuchten erfolgreichen Adoptionen
die eigentliche Verzichtserklärung in den Schweizer Akten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Mütter nicht zugestimmt hatten.
Es bedeutet jedoch:
Die Schweizer Behörden verfügten offenbar nicht über den unmittelbaren Beweis dafür.
7. Wie das Problem administrativ überbrückt wurde
Besonders bemerkenswert ist, wie damit umgegangen wurde.
Die Schweizer Behörden akzeptierten teilweise Dokumente der indischen Vermittlungsstellen – darunter Missionaries of Charity –, in denen lediglich bestätigt wurde, die leiblichen Eltern hätten eine surrender deed abgegeben.
Das Original wurde nicht vorgelegt.
In anderen Fällen wurde erklärt:
- das Kind sei verlassen worden,
- das Kind sei Waise,
- Unterlagen über die Eltern existierten nicht.
Die Schweizer Forschungsgruppe kritisiert ausdrücklich, dass Behörden auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene diese Angaben weitergaben, ohne die fehlenden Originalunterlagen konsequent einzufordern.
Damit entstand ein System, in dem eine einmal gemachte Behauptung über die Herkunft des Kindes durch mehrere Behördenebenen weitergereicht werden konnte.
8. Der Fall „Saira“
Der anonymisierte Fall „Saira“ ist besonders aufschlussreich.
Saira wurde über Terre des Hommes und dessen indischen Partner aus Indien in die Schweiz gebracht.
Das District Court in Alipore übertrug im Februar 1981 die Obhut über das Kind auf eine Mitarbeiterin der Vermittlungsorganisation und gestattete ihr, das Kind in die Schweiz zu bringen.
Die relevanten Beschlüsse datieren vom:
16. und 20. Februar 1981.
Die Schweizer Archivsignatur lautet:
StAZH Z 1045.1646.
Die erforderliche surrender deed der Eltern fehlte.
Trotzdem wurde die Adoption später bewilligt.
Die Forschungsgruppe schreibt ausdrücklich, dass die zuständigen Behörden die Vermittlung akzeptierten, obwohl der gesetzlich erforderliche Nachweis der Zustimmung der Eltern fehlte.
9. „The child trafficking continues“
Besonders bemerkenswert ist ein interner Schweizer Behördenvermerk.
Am 17. Oktober 1983 wurde bei einer internen Aktenweitergabe im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement vermerkt:
„The child trafficking continues.“
Archivsignatur:
BAR E4300C-01#1998/299#1324*.
Dieser Satz ist deshalb wichtig, weil er nicht aus einer heutigen Internetdiskussion stammt.
Er dokumentiert, dass Schweizer Bundesbeamte bereits damals das Problem zumindest intern mit dem Begriff Kinderhandel beschrieben.
Das beweist allerdings noch nicht, dass sämtliche betroffenen Adoptionen tatsächlich Kinderhandel waren.
Es beweist aber, dass entsprechende Sorgen auf hoher Verwaltungsebene vorhanden waren.
10. Der Fall Fabian Ricklin – der bislang stärkste Vergleichsfall
Besonders wichtig ist das Urteil:
Fabian Ricklin alias Ranabir v. State of West Bengal & Others
Calcutta High Court, Urteil vom 5. Januar 2024, Verfahren WPA 3792/2023.
Ricklin wurde 1988 aus Indien in die Schweiz adoptiert.
Jahrzehnte später wollte er seine Herkunft klären.
In den damaligen Unterlagen wurde behauptet, seine unverheiratete Mutter habe nach seiner Geburt wegen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umstände sämtliche Ansprüche auf das Kind aufgegeben und eine ordnungsgemäße Verzichtserklärung ausgefertigt.
Das damalige Verfahren lief beim District Judge in Alipore.
Die entscheidende Akte lautet:
Act VIII Case No. 170 of 1988.
Als das Gericht die ursprünglichen Unterlagen untersuchte, stellte es jedoch fest:
„no Surrender/Relinquishment Deed of the biological mother was ever filed in such case.“
Das ist eine äußerst wichtige Feststellung.
Denn sie zeigt:
Die Tatsache, dass ein damaliges Adoptionsverfahren behauptete, die Mutter habe ordnungsgemäß verzichtet, garantiert nicht, dass diese Erklärung tatsächlich Bestandteil der Gerichtsakte war.
11. Warum der Ricklin-Fall für die Missionaries-of-Charity-Akten wichtig ist
Der Ricklin-Fall betrifft nicht automatisch sämtliche Missionaries-of-Charity-Adoptionen.
Er liefert aber eine plausible Erklärung dafür, warum die Schweizer Aktenlage so problematisch ist.
Bislang konnte man argumentieren:
Die surrender deeds existierten, wurden aber aus Datenschutzgründen in Indien versiegelt.
Das trifft möglicherweise auf viele Fälle zu.
Aber Ricklin zeigt:
Zumindest in einem überprüften historischen Schweizer Adoptionsfall existierte das angeblich entscheidende Dokument nicht einmal in der ursprünglichen Adoptionsakte.
Damit wird die Frage bei den 48 Schweizer Fällen erheblich wichtiger.
Man müsste die indischen Originalakten einzeln mit den Schweizer Akten vergleichen.
12. Was ein solcher Abgleich beweisen könnte
Für jeden Fall wären mindestens folgende Dokumente zu vergleichen:
- indischer Gerichtsantrag,
- Act-VIII-/Guardians-and-Wards-Aktenzeichen,
- surrender/relinquishment deed,
- Name der biologischen Mutter,
- Herkunftsort,
- Geburtsdatum,
- Aufnahmeprotokoll des Kinderheims,
- Child Study Report,
- Angaben der Missionaries of Charity,
- Angaben von Terre des Hommes,
- Schweizer Visaunterlagen,
- Schweizer Vormundschaftsakten,
- endgültige Adoptionsentscheidung.
Besonders wichtig wäre die Frage:
Existiert die angebliche Zustimmung der Mutter tatsächlich?
Falls ja:
Stimmen Name, Datum, Herkunft und Übergabegrund mit den späteren Angaben überein?
13. Der Ranchi-Fall von 2018
2018 entstand erneut ein schwerer Kinderhandelsverdacht gegen eine Einrichtung der Missionaries of Charity in Ranchi.
Ausgangspunkt war der Vorwurf, ein neugeborenes Kind einer unverheirateten Mutter sei gegen Geld an ein Paar vermittelt worden.
Unter anderem wurden Sister Concilia Baxla und Anima Indwar festgenommen.
Dieser Fall wurde damals international als Babyverkaufsskandal bekannt.
Allerdings ist die spätere Entwicklung zwingend zu berücksichtigen:
Am 18. Juni 2026 sprach das zuständige Gericht in Ranchi die Beschuldigten nach achtjährigem Verfahren frei.
Nach den verfügbaren Berichten fehlten ausreichende Beweise für eine Verurteilung.
Deshalb darf dieser Fall heute nicht als rechtskräftiger Nachweis eines Babyverkaufs durch die Missionaries of Charity dargestellt werden.
Er zeigt jedoch, dass entsprechende Verdachtsmomente auch Jahrzehnte nach Mutter Teresas Tod erneut auftraten.
14. Charles Keating
Ein anderer gut dokumentierter Komplex betrifft den amerikanischen Finanzier Charles Keating.
Keating spendete Mutter Teresa ungefähr 1,25 bis 1,4 Millionen Dollar und stellte ihr zeitweise seinen Privatjet zur Verfügung.
Nach seiner strafrechtlichen Verfolgung schrieb Mutter Teresa an Richter Lance Ito und setzte sich für Milde gegenüber Keating ein.
Der Staatsanwalt Paul Turley antwortete ihr daraufhin und erklärte, dass Keatings Geld aus einem massiven Betrug stamme.
Turley forderte Mutter Teresa sinngemäß dazu auf, das erhaltene Geld den Geschädigten zurückzugeben. Der dokumentierte Brief beschreibt Verluste von Hunderten Millionen Dollar bei Tausenden Betroffenen.
Das ist kein Beleg für Kinderhandel.
Es zeigt aber eine wiederkehrende Besonderheit:
Mutter Teresa akzeptierte erhebliche Geldbeträge von äußerst problematischen vermögenden Personen und intervenierte teilweise sogar persönlich zu deren Gunsten.
15. Robert Maxwell – die Verbindung ist real
Auch die Verbindung zu Robert Maxwell, dem Vater von Ghislaine Maxwell, ist keine Erfindung.
Robert Maxwell und Mutter Teresa trafen sich am:
15. April 1988 in London.
Das Treffen fand in Maxwells Wohnung statt und wurde fotografisch dokumentiert.
Maxwell organisierte anschließend über den Daily Mirror eine Spendensammlung für Einrichtungen der Missionaries of Charity.
Nach biografischen Quellen wurden ungefähr:
£169.000
gesammelt und auf einem von Maxwell bzw. seiner Zeitung gehaltenen Konto verwahrt.
Zusätzlich wurden über eine schottische Zeitung ungefähr:
£90.000
gesammelt.
Christopher Hitchens beschrieb die Zusammenarbeit bereits 1995 als eines von Maxwells Fundraising- und Publicity-Projekten.
Damit ist:
Mother Teresa ↔ Robert Maxwell
als reale persönliche und finanzielle Beziehung dokumentiert.
16. Bedeutet Robert Maxwell automatisch Epstein?
Nein.
Robert Maxwell starb 1991.
Die später bekannt gewordenen Straftaten Jeffrey Epsteins und Ghislaine Maxwells können nicht rückwirkend allein aus einer Bekanntschaft Robert Maxwells mit Mutter Teresa abgeleitet werden.
Allerdings wurde untersucht, ob Personen aus Robert Maxwells Umfeld später auch im Epstein-Netzwerk auftauchten.
Dabei entstand ein interessanter Treffer.
17. Malcolm Grumbridge
Malcolm Grumbridge war ein langjähriger britischer Rechts- und Finanzberater der Maxwell-Familie.
Nach Recherchen von OCCRP arbeitete er seit 1976 bis zu Robert Maxwells Tod 1991 eng mit Robert Maxwell zusammen.
Anschließend betreute er weiterhin Finanz- und Immobilienangelegenheiten von:
- Kevin Maxwell,
- Ian Maxwell,
- Ghislaine Maxwell.
Er blieb bis etwa 2020 mit den Maxwell-Finanzen verbunden.
Bemerkenswert:
Malcolm Grumbridge befindet sich in Jeffrey Epsteins „Black Book“.
Grumbridge selbst erklärte gegenüber Journalisten, Epstein lediglich einmal gesellschaftlich getroffen und niemals für ihn gearbeitet zu haben.
Seine bloße Aufnahme in das Kontaktbuch beweist daher keine Beteiligung an Epsteins Straftaten.
18. Die Grumbridge-Verbindung wurde inzwischen sogar politisch relevant
Die Verbindung ist nicht lediglich eine Internetfundstelle.
US-Senator Ron Wyden forderte 2025 vom US-Finanzministerium Unterlagen über Finanztransaktionen im Epstein-Komplex an.
Auf der Liste der ausdrücklich genannten Personen und Einrichtungen befindet sich:
Malcolm Grumbridge.
Ebenso genannt wird der Jersey-Trust:
La Hougue.
Damit ist die personelle Kette:
Mother Teresa
→ Robert Maxwell
→ Malcolm Grumbridge
→ Maxwell-Familienfinanzen / Ghislaine Maxwell
→ Eintrag in Epsteins Kontaktbuch
tatsächlich dokumentierbar.
Was weiterhin fehlt, ist der entscheidende Zwischenschritt:
Es gibt bislang keinen Nachweis, dass Grumbridge an Mother Teresas Adoptionsgeschäften beteiligt war.
19. Die unerwartete Haiti-Spur: Michael Geilenfeld
Bei der Recherche nach möglichen Überschneidungen mit Haiti entstand eine wesentlich konkretere Spur.
Michael Karl Geilenfeld war Mitglied der:
Missionary Brothers of Charity.
Diese männliche Ordensgemeinschaft war von Mutter Teresa gegründet worden.
Historische Unterlagen beschreiben, dass Geilenfeld elf Jahre Mitglied dieser Gemeinschaft war.
Er war unter anderem tätig in:
- Vietnam,
- Kambodscha,
- Indien,
- Kalifornien,
- Haiti.
1984 war er sogar für die Ausbildung neuer Brüder verantwortlich.
Anschließend verließ er diese Struktur und gründete 1985 in Haiti:
St. Joseph’s Home for Boys.
20. Geilenfelds Einrichtungen
Aus St. Joseph’s entwickelte sich ein Netzwerk verschiedener Einrichtungen unter der Bezeichnung:
St. Joseph Family of Haiti.
Dazu gehörten unter anderem:
- St. Joseph’s Home for Boys,
- Wings of Hope,
- Trinity House,
- Lekòl Sen Trinite,
- Resurrection Dance Theater of Haiti.
Nach US-Gerichtsunterlagen betreuten diese Einrichtungen mehr als 190 Kinder und beschäftigten ungefähr 80 Vollzeitmitarbeiter.
Die amerikanische Organisation:
Hearts with Haiti
übernahm einen wesentlichen Teil des Fundraisings.
Seit 2001 wurden nach Gerichtsunterlagen fast fünf Millionen Dollar für Geilenfelds Einrichtungen gesammelt.
21. Geilenfeld wurde wegen Kindesmissbrauchs verurteilt
Dieser Teil ist inzwischen strafrechtlich eindeutig.
Im Februar 2025 verurteilte eine US-Bundesjury Michael Geilenfeld wegen:
- einer Reise ins Ausland mit dem Zweck illegaler sexueller Handlungen,
- sowie sechs Fällen illegaler sexueller Handlungen mit Minderjährigen im Ausland.
Am 23. Mai 2025 erhielt er:
210 Jahre Gefängnis.
Das US-Justizministerium stellte fest, dass Geilenfeld über Jahre Jungen missbrauchte, die ihm in seinem haitianischen Heim anvertraut waren. Neben sexuellem Missbrauch wurden auch körperliche und emotionale Misshandlungen beschrieben.
Damit ist folgende Kette vollständig belegt:
von Mutter Teresa gegründeter Orden
→ langjähriges Ordensmitglied Michael Geilenfeld
→ Gründung eines Kinderheims in Haiti
→ Betreuung besonders vulnerabler Jungen
→ jahrelanger sexueller Missbrauch
→ strafrechtliche Verurteilung zu 210 Jahren Haft.
Das ist unabhängig von Epstein ein schwerwiegender Befund.
22. Geilenfeld in den veröffentlichten Epstein-Unterlagen
Interessanterweise erscheint Geilenfeld tatsächlich auch innerhalb der veröffentlichten Epstein Files.
Im Dokument EFTA00162812 wird er ausdrücklich als ehemaliger Brother der Missionary Brothers of Charity und Gründer des St. Joseph Family of Haiti beschrieben.
Hier ist allerdings größte Vorsicht erforderlich.
Das Dokument gelangte nicht deshalb in die Epstein-Unterlagen, weil damit bewiesen worden wäre, dass Geilenfeld mit Epstein zusammenarbeitete.
Es handelt sich um Prozessmaterial aus den Auseinandersetzungen über Missbrauchsvorwürfe gegen Geilenfeld.
Dass ein Dokument innerhalb der riesigen veröffentlichten Epstein-Bestände liegt, beweist keine operative Verbindung zu Epstein.
23. Direkter Epstein-Abgleich
Gezielt gesucht wurde bislang nach:
- Mother Teresa,
- Missionaries of Charity,
- Missionary Brothers of Charity,
- Milton McCann,
- Terre des Hommes India,
- Michael Geilenfeld,
- Hearts with Haiti,
- St. Joseph Family of Haiti
in Verbindung mit:
- Jeffrey Epstein,
- Ghislaine Maxwell,
- Jean-Luc Brunel,
- Epsteins Black Book,
- Fluglisten,
- veröffentlichten Gerichtsunterlagen,
- Finanzstrukturen.
Bislang konnte keine belastbare direkte operative Verbindung zwischen dem historischen Missionaries-of-Charity-Adoptionsnetzwerk und Epsteins Sexhandelsnetzwerk festgestellt werden.
24. Steht Mutter Teresa in Epsteins Black Book?
Nach der bisherigen Prüfung:
Nein.
Es konnte kein belastbarer Eintrag Mutter Teresas im bekannten Epstein-Kontaktbuch festgestellt werden.
Ihr Name bzw. Bilder von ihr können in den riesigen veröffentlichten Epstein-Dokumentbeständen vorkommen. Das ist jedoch etwas völlig anderes als ein Kontaktbucheintrag.
Daraus darf keine persönliche Epstein-Verbindung konstruiert werden.
25. Hearts with Haiti und die Geldgeber
Eine weitere Untersuchung galt den Geldgebern von Geilenfelds Haiti-Netzwerk.
US-Gerichtsunterlagen zeigen, dass Hearts with Haiti seit 2001 fast fünf Millionen Dollar für das Netzwerk gesammelt hatte.
Öffentlich identifizierbare Zuwendungen kamen unter anderem über gemeinnützige Fonds und Donor-Advised-Fund-Strukturen.
Ein Beispiel ist eine Zahlung von 17.700 Dollar über Network for Good an Hearts with Haiti.
Das Problem solcher Strukturen:
Der in der Steuererklärung sichtbare Fonds muss nicht der wirtschaftliche Ursprungsspender sein.
Ein privater Spender kann über einen Donor-Advised Fund eine Zahlung veranlassen, während in der Empfängerunterlage lediglich der Fonds erscheint.
Das ist legal und üblich.
Es erschwert allerdings historische Netzwerkrecherchen.
Bislang wurde bei den öffentlich identifizierbaren institutionellen Geldgebern keine belastbare Verbindung zum Epstein-/Maxwell-/Brunel-Netzwerk gefunden.
26. Was die Recherche bislang NICHT ergeben hat
Folgende Aussagen sind derzeit nicht belegt:
„Mutter Teresa verkaufte drei Millionen Kinder.“
Kein belastbarer Nachweis.
„Kinder kosteten jeweils 15.000 bis 50.000 Dollar.“
Kein belastbarer systematischer Nachweis.
Dass internationale Adoptionen mit Gebühren, Unterhaltszahlungen und Zahlungen an Vermittlungsorganisationen verbunden waren, ist davon zu unterscheiden.
„50 bis 100 Millionen Dollar Jahresumsatz durch Kinderhandel.“
Kein Nachweis.
„Acht Milliarden Dollar liefen über die Vatikanbank.“
Für diese konkrete Zahl konnte bislang keine belastbare Primärquelle gefunden werden.
„Epstein benutzte Mother Teresas Kinderheime.“
Kein Nachweis.
„Jean-Luc Brunel rekrutierte Kinder über die Missionaries of Charity.“
Kein Nachweis.
„Ghislaine Maxwell arbeitete mit Mother Teresa zusammen.“
Kein Nachweis.
„Der Vatikan organisierte oder deckte dieses Kinderhandelsnetzwerk.“
Bislang kein belastbarer Nachweis.
27. Was hingegen inzwischen belastbar ist
Dem stehen folgende gut belegte Tatsachen gegenüber:
A. Ein umfangreiches internationales Adoptionsnetzwerk existierte.
Missionaries of Charity waren ein bedeutender Bestandteil davon.
B. Tausende Kinder wurden international vermittelt.
Allein Missionaries of Charity Calcutta meldeten für 1960–1991 2.358 Auslandsadoptionen.
C. Bei der Schweizer Stichprobe fehlten systematisch die unmittelbaren Zustimmungserklärungen.
48 von 48 überprüften erfolgreichen Adoptionen verfügten in den Schweizer Akten nicht über diesen Nachweis.
D. Schweizer Bundesbeamte verwendeten zeitgenössisch den Begriff „child trafficking“.
1983 findet sich der interne Vermerk:
„The child trafficking continues.“
E. Ein indisches Gericht stellte Jahrzehnte später tatsächlich fest, dass eine angebliche surrender deed nie in der ursprünglichen Gerichtsakte eingereicht worden war.
Act VIII Case No. 170 of 1988.
F. Mutter Teresa hatte reale Beziehungen zu Robert Maxwell.
Persönliches Treffen und Fundraising sind dokumentiert.
G. Robert Maxwells langjähriger Finanzberater betreute später Ghislaine Maxwell.
Malcolm Grumbridge war jahrzehntelang für die Maxwell-Familie tätig.
H. Grumbridge erscheint in Epsteins Kontaktbuch.
Das bestätigen OCCRP und Miami Herald.
I. Ein langjähriges Mitglied von Mutter Teresas männlichem Orden gründete ein Kinderheim in Haiti.
Michael Geilenfeld gehörte elf Jahre den Missionary Brothers of Charity an.
J. Dieser Mann missbrauchte später ihm anvertraute Jungen.
Geilenfeld wurde 2025 zu 210 Jahren Haft verurteilt.
28. Beweiskette und offene Lücken
Die bislang rekonstruierbaren Verbindungen lassen sich grafisch folgendermaßen darstellen:
Adoptionsstrang
Mother Teresa
↓
Missionaries of Charity
↓
Kinderheime in Indien
↓
Milton McCann / Terre des Hommes India
↓
Terre des Hommes Schweiz
↓
internationale Adoptionen
↓
teilweise fehlende Herkunfts- und Zustimmungsunterlagen
↓
zeitgenössische Kinderhandelsbedenken Schweizer Behörden
Maxwell-Strang
Mother Teresa
↓
Robert Maxwell
↓
Fundraising / persönlicher Kontakt
↓
Malcolm Grumbridge
↓
langjähriger Finanzberater der Maxwell-Familie
↓
Ghislaine Maxwell
↓
Jeffrey Epstein
Die Verbindung zwischen den Endpunkten ist real, aber:
Es fehlt bislang der Nachweis, dass Mother-Teresa-Adoptionen über diesen Strang mit Epstein verbunden waren.
Haiti-Strang
Mother Teresa
↓
Missionary Brothers of Charity
↓
Michael Geilenfeld – 11 Jahre Mitglied
↓
St. Joseph’s Home for Boys, Haiti
↓
vulnerable Jungen
↓
sexueller Missbrauch
↓
US-Bundesverurteilung 2025
↓
210 Jahre Haft
Hier ist die Kette bis zum Missbrauch tatsächlich dokumentiert.
Was fehlt:
Geilenfeld → Epstein/Maxwell/Brunel.
29. Bewertung des ursprünglichen viralen Textes
Nach der gesamten bisherigen Recherche wäre es meines Erachtens falsch, den ursprünglichen Beitrag entweder als „bewiesen“ oder als „komplett erfundene Verschwörungstheorie“ zu bezeichnen.
Beides wird der Quellenlage nicht gerecht.
Der Beitrag nimmt mehrere reale historische Sachverhalte:
- umfangreiche internationale Adoptionen,
- problematische Dokumentation,
- zeitgenössische Kinderhandelsbedenken,
- zweifelhafte Geldgeber,
- Robert Maxwell,
- Haiti,
- Missbrauch vulnerabler Kinder,
und verbindet sie anschließend zu einer wesentlich größeren Geschichte.
Das Problem entsteht beim Übergang von:
„Es existieren erhebliche dokumentierte Auffälligkeiten“
zu:
„Damit ist ein von Mutter Teresa, Vatikan und Epstein gemeinsam betriebenes Kinderhandelsnetzwerk bewiesen.“
Dieser zweite Satz ist durch die bisher gefundenen Unterlagen nicht gedeckt.
30. Gleichzeitig wäre eine vollständige Entwarnung ebenfalls nicht gerechtfertigt
Die Recherche zeigt nämlich auch, warum eine weitergehende Untersuchung sinnvoll ist.
Die fehlenden surrender deeds wurden zunächst leicht als bloßes Archivproblem erklärbar.
Der Ricklin-Fall zeigt jedoch, dass ein solches Dokument trotz damaliger Behauptung tatsächlich überhaupt nicht zur Gerichtsakte gehören konnte.
Ebenso könnte man den Ausdruck „Kinderhandel“ als moderne Interpretation abtun.
Doch ein Schweizer Bundesbeamter schrieb bereits 1983:
„The child trafficking continues.“
Die Robert-Maxwell-Verbindung könnte als erfunden erscheinen.
Sie ist aber dokumentiert.
Und die Behauptung von problematischen Kinderheimen in Haiti könnte zunächst wie eine freie Epstein-Assoziation wirken.
Tatsächlich gründete ein elfjähriges Mitglied von Mutter Teresas eigenem Orden dort ein Heim und wurde später wegen des sexuellen Missbrauchs der ihm anvertrauten Jungen zu 210 Jahren Gefängnis verurteilt.
Diese Befunde rechtfertigen weitere Untersuchung – aber nicht das Überspringen der noch fehlenden Beweisglieder.
31. Die derzeit wichtigsten offenen Forschungsfragen
Für eine wirklich belastbare historische Aufarbeitung wären insbesondere folgende Fragen zu beantworten:
Erstens:
Wie viele Kinder wurden insgesamt durch sämtliche Missionaries-of-Charity-Einrichtungen international adoptiert?
Die 2.358 aus Calcutta sind nur ein Teilbestand.
Zweitens:
Bei wie vielen dieser Kinder existiert tatsächlich eine überprüfbare surrender/relinquishment deed?
Drittens:
Stimmen die Angaben dieser Dokumente mit den Aufnahmebüchern der Heime und den späteren Adoptionsunterlagen überein?
Viertens:
Wie viele Kinder wurden als „abandoned“ oder „orphan“ klassifiziert, obwohl Informationen über ihre leibliche Mutter vorhanden waren?
Fünftens:
Was ergaben die historischen indischen Ermittlungen gegen internationale Adoptionsvermittler tatsächlich?
Sechstens:
Welche Zahlungen erhielten Missionaries-of-Charity-Heime oder ihre Kooperationspartner für einzelne Auslandsadoptionen?
Siebtens:
Welche Finanzunterlagen existieren über die Beziehungen zwischen Mother Teresa/Missionaries of Charity und der Vatikanbank IOR?
Achtens:
Lässt sich die behauptete Zahl von acht Milliarden Dollar überhaupt auf eine ältere Quelle zurückführen?
Neuntens:
Welche Personen finanzierten Geilenfelds Einrichtungen in Haiti tatsächlich über Hearts with Haiti und zwischengeschaltete Donor-Advised Funds?
Zehntens:
Gibt es darunter Personen oder Trusts, die unabhängig davon in Epsteins Finanzunterlagen auftauchen?
32. Der wahrscheinlich wichtigste nächste Beweisschritt
Der erfolgversprechendste Ansatz bleibt derzeit der Abgleich konkreter historischer Adoptionsfälle zwischen Indien und der Schweiz.
Die Forschungsgruppe hat bereits Daten und Archivsignaturen geliefert.
Beispielsweise:
Alipore District Court
16. und 20. Februar 1981
Schweizer Archiv: StAZH Z 1045.1646
sowie weitere Verfahren aus 1977 und 1980.
Wenn sich die zugehörigen indischen Act-VIII-/Guardians-and-Wards-Akten beschaffen lassen, könnte man feststellen:
- ob eine surrender deed existiert,
- wer sie unterschrieben hat,
- ob die Mutter identifiziert wurde,
- ob sie selbst unterschrieben hat,
- ob Geld floss,
- wie das Kind in das Heim gelangte,
- und ob die späteren Schweizer Angaben mit den indischen Originalunterlagen übereinstimmen.
Wenn bei mehreren Fällen – wie bei Fabian Ricklin – festgestellt würde:
„no Surrender/Relinquishment Deed … was ever filed“
wäre das ein erheblich stärkerer Hinweis auf ein strukturelles Problem der damaligen Adoptionsvermittlung.
33. Schlussfolgerung
Nach der bisherigen Recherche ist die spektakuläre Ausgangsbehauptung eines von Mutter Teresa aufgebauten, millionenfachen und später von Epstein übernommenen Kinderhandelsnetzwerks nicht bewiesen.
Aber die Recherche hat einen realen historischen Komplex freigelegt, der eine ernsthafte Untersuchung verdient.
Besonders relevant sind:
die zentrale Rolle der Missionaries of Charity bei internationalen Adoptionen, die systematisch fehlenden Zustimmungserklärungen in den untersuchten Schweizer Akten, zeitgenössische behördliche Kinderhandelswarnungen, der 2024 gerichtlich dokumentierte Fall einer angeblichen, tatsächlich aber nicht eingereichten Verzichtserklärung, reale Beziehungen Mutter Teresas zu Robert Maxwell sowie der Fall Michael Geilenfeld.
Gerade der letzte Punkt ist bemerkenswert:
Ein langjähriges Mitglied eines von Mutter Teresa gegründeten Ordens errichtete ein Heim für besonders vulnerable Jungen in Haiti und missbrauchte dort Kinder. Seine Verurteilung zu 210 Jahren Gefängnis ist keine Spekulation, sondern ein strafgerichtlich festgestellter Sachverhalt.
Auf der anderen Seite konnte trotz gezielter Suche bislang keine direkte Verbindung zwischen Geilenfelds Einrichtungen und Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell oder Jean-Luc Brunel festgestellt werden.
Die bisherige Quellenlage spricht deshalb für eine klare Trennung:
Dokumentierte Tatsachen müssen konsequent verfolgt werden.
Netzwerküberschneidungen sind Hinweise, aber noch keine Tatbeteiligung.
Und die noch fehlenden Verbindungen dürfen nicht als bewiesen behandelt werden, nur weil bereits andere, zunächst unwahrscheinlich wirkende Teile der Geschichte tatsächlich dokumentiert werden konnten.
Gerade diese Trennung macht die weitere Recherche belastbarer: Sollten sich in den indischen Originalakten, historischen Finanzunterlagen oder den noch nicht transparenten Haiti-Geldströmen weitere Übereinstimmungen ergeben, ließe sich deren Bedeutung wesentlich besser beurteilen als anhand der ursprünglichen viralen Erzählung allein.
Verbindungen Epstein

